Der Weg zum Lieblingsgurt

Die Qual der Wahl: für bequemes, ergonomisches Arbeiten.

Die Gurtfrage ist eines der komplexeren Probleme für Menschen, die den Großteil ihres Alltags – egal ob sportlich oder gewerblich – darin verbringen. Dieser Beitrag beschäftigt sich vorrangig mit Gurten für das gewerbliche Klettern in der Seilzugangs- und der Seilklettertechnik.

Der Weg zum Lieblingsgurt – mit all seinen Details – beschäftigte mich schon seit einer ganzen Weile. Mein persönliches Hauptproblem liegt darin, dass ich bisher mit den meisten Gurten an der einen oder anderen Stelle unzufrieden bin und noch kein Gurt hergestellt wurde, der mich so rundum zufrieden stellt.

Das ging sogar so weit, dass ich drei Versuche startete, selbst Gurte für spezielle Anwendungen (Theater, Film und Baumpflege) zu entwerfen. Nur einer dieser Gurte hat es bis zur Herstellung eines Prototypen geschafft. Die finanziellen und technischen Mittel fehlten, um zum Beispiel bestimmte Hardware-Komponenten zu bauen und solch ein Projekt wirklich bis zu einer Zertifizierung, geschweige denn Produktion und Vermarktung, umzusetzen. Also blieb mir bis heute nur die Alternative, das bestehende Sortiment auf dem Markt nach einem guten Kompromiss zu durchforsten.

Dies gilt sowohl für meine Erfahrungen mit Baumkletter-, als auch Industrieklettergurten. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen nach den Tätigkeiten. Der detailgenaue Blick auf spezifische Techniken würde den Artikel zu lang werden lassen, daher bleiben wir bei den Basispunkten.

Im letzten Jahr wurde ich von Mewes (Geschäftsführer von Seilpraktiker GmbH & Co. KG, FISAT & IRATA Level 3 und Schweißer) gefragt, ob ich ein Statement über meinen aktuellen Klettergurt für seinen Blog geben würde (Themenschwerpunkt Industrieklettergurte). Dieses unbequeme Thema war sofort präsent und der nötige Antrieb für diesen Blogbeitrag gegeben

Im weiteren Verlauf erkläre ich meinen Entscheidungsprozess für einen Klettergurt und stelle dabei eine Checkliste / ein Lastenheft vor.

Es gibt ihn nicht, den „perfekten“ sondern nur den für Dich „am besten geeigneten“ Gurt.

DU musst (und kannst anhand der folgenden Liste) wissen, WAS Du von einem Klettergurt brauchst und wie wichtig Deine Erwartungen in den unterschiedlichen Anforderungsbereichen sind. Dann kannst Du einen Kompromiss finden, also einen Gurt, der all das so gut wie möglich erfüllt. Selbst zu wissen, was Du brauchst, ist natürlich nicht immer so einfach, vor allem wenn Dir die praktische Erfahrung dazu fehlt. Hier kann es helfen sich die Erfahrungen anderer anzuhören. Checke die Fakten und entscheide weise.

Jeder gewerblich genutzte Gurt sollte normgerecht sein, dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er für die Anwendung geeignet ist. Ein Qualitätsmerkmal ist die Test-Möglichkeit,  z.B. in einem Laden, auf einer Schulung oder durch zusenden.

Mewes hat eine spannende Zusammenstellung an Erfahrungsberichten über verschiedene Klettergurte gesammelt und auf seinem Blog veröffentlicht. Den Beitrag dazu findest Du zeitnah hier:

Ich habe unten eine kommentierte Liste angehängt mit möglichen Anforderungen und Eigenschaften von Klettergurten. Diese Liste gehe ich fast immer soweit nötig durch und wäge dann ab was für mich sinnvoll erscheint. Vielleicht hilft sie Dir ja deine Entscheidung mit etwas mehr Gewissheit zu fällen. Diese Liste ist für den Blog auch von Thomas und Mewes erweitert und bearbeitet worden (denn mein Blick auf Gurte ist mittlerweile doch etwas einseitig aus Sicht eines Baumpflegers). Für die Ergänzungen bin ich sehr dankbar.

Einige Auswahlkriterien werden je nach auszuführender Arbeit vom Gesetzgeber bzw. Versicherer stark eingeschränkt. Ich setze voraus, dass Du einen Kletterkurs hinter Dich gebracht hast und selbst weißt in welcher Branche Du arbeiten möchtest bzw. welche Vorschriften Du einhalten musst. Wer nicht gewerblich klettert hat hier natürlich die größte Entscheidungsfreiheit – trägt damit aber auch am meisten Verantwortung für die eigene Wahl.

Passform

Größe:

Viele Gurte sind heute glücklicherweise in mehreren Größen erhältlich. Vor allem für Menschen mit sehr kleinem oder sehr großem Körperbau sind solche Optionen interessant, da nur ein Gurt der wirklich passt auch wirklich bequem sitzen kann.

Gurte die immer zu locker sitzen, schaffen kein Gefühl von Sicherheit, schneiden oft deutlich ein und verursachen Scheuerstellen auf der Haut. Abgesehen davon sitzen viele Geräte dann nicht gut in Position: ein flüssiges und ergonomisches Arbeiten wird so blockiert.

Gurte die zu straff sitzen drücken oft schmerzhaft und verhindern eine gute Beweglichkeit, die bei so gut wie allen Jobs in der Höhe unabdinglich ist.

Einstellungsoptionen:

Je mehr Einstellmöglichkeiten ein Gurt hat, desto besser kann er auf individuelle Körper angepasst werden. Dabei ist das Zusammenspiel der Schnallen mit dem Gurtband ein wichtiger Punkt. Seit Gurtbänder zum Schmutz abweisen mit Teflon beschichtet werden, rutschen Schnallen ohne weiteres Zutun durch.

Das kann, im harmlosesten Fall, unangenehm sein oder Verletzungen zur Folge haben.

Um die Größe genau einzustellen, braucht es ein längeres Gurtband. Es ist manchmal kompliziert, die überschüssigen Längen zu verstauen. Verschiedene Hersteller*innen haben dafür mittlerweile wirksame Methoden entwickelt und am Gurt montiert.

Polsterung:

Viel Polsterung ergibt viel Komfort, aber auch Gewicht. Zu viel Polsterung an der falschen Stelle ist unangenehm oder kann sogar langfristig zu Haltungsschäden führen (Abbau von Stützmuskulatur in übermäßig gepolsterten Rückenpartien zum Beispiel!)

Zuviel Polster kann auch zu unnötigem Schwitzen führen, das ist nicht nur unangenehm, das Material leidet unter dem Salzwasser und muss getrocknet werden.

Bewegungsfreiheit:

Je nach Gewicht und Form, schränkt der Gurt die Bewegungsfreiheit enorm ein. Achte darauf wie viel Du im Gurt gehen oder aktiv klettern musst. Auch langes Stehen oder Sitzen im Gurt (Aufsichtführende oder Seilwachen) kann in manchen Gurten (schwer beladen oder zu eng) sehr unangenehm werden. Ein Gurt, welcher nur zum Abseilen oder dem Arbeiten mit einer Winde genutzt wird, darf gemütlicher und schwerer sein als ein Gurt, in dem lange Aufstiege absolviert werden.

Gewicht:

Je schwerer, desto anstrengender werden Aufstiege und Bewegung im Gurt… (Das hängt im Wesentlichen aber davon ab, was Du alles am Gurt mitführst und wie gut der Gurt Lasten auf den Körper überträgt).

Gurttypen und Design

Auffanggurt vs. Sitzgurt vs. Haltegurt -> Hier gibt dir Deine Tätigkeit vor, was du für Deine Arbeit benötigst.

Dabei kann Deine Kaufentscheidung davon beeinflußt werden, WO Du arbeiten möchtest (innerhalb oder außerhalb der EU). Es gelten zum Teil unterschiedliche Normen, auch wenn die Bauformen sich nur minimal unterscheiden. (Zum Beispiel sind in fast allen Ländern außerhalb der EU Alu-Ösen verboten und gibt speziell eloxierte Ösen für Offshore Arbeiten) Es gibt Kombigurte für Menschen, die verschiedene Tätigkeiten in zeitlich kurzem Wechsel leisten. Ebenso für Menschen, die sowohl im Baum als auch in Industrieanlagen tätig sind.

Brustgurte:

Hier gibt es viele verschiedene Variationen, je nachdem, ob ein Komplettgurt vorgeschrieben ist (diese gibt es vor allem mit V- (mehr Bewegungsfreiheit) oder H-Tops (mehr Trageunterstützung bei großen Gewichten am Gurt).

In Bereichen, wo ein Sitzgurt sich wirklich spontan auflösen oder trennen könnte (Feuerwehr), sind Brustgurte in denen ein Mensch auch ohne weiteren Gurt hängen bleibt, eine Möglichkeit auch am Gurt eine Redundanz herzustellen.

Manche lassen sich abnehmen, um den Gurt separat als Sitzgurt nutzen zu können, andere sind untrennbar mit dem Gurt verbunden.

Eine Kombination muss vom Hersteller zugelassen sein, speziell bei einer Verwendung als Auffanggurt.

Da die Redundanz am Gurt aufhört, wäre ein Sitzgurt an dieser Stelle zulässig. Dem steht die fehlende Ohnmachtssicherheit entgegen.

Anschlagösen (D-Ringe, Anseilpunkte):

Anzahl, Größe und Ausrichtung der Anschlagösen sind oft entscheidend für meinen „Work-Flow“. Überlege Dir gut, was Du hier benötigst:

  • Grundsätzlich für alle Punkte: Metall (Alu oder Stahl) oder Textil (ursprünglich vor allem im Sportbereich, mittlerweile auch zum Schutz von empfindlichen Oberflächen). Hier ist die Größe oft ein entscheidender Faktor. Bei Metallösen ist auf die Verträglichkeit mit dem Gurtband zu achten. Es gab in der Vergangenheit gegen Feuer imprägniertes Gurtband, welches das Metall am Gurt korrodieren ließ.
  • Zentral (Anschlagpunkt vor dem Bauch)

Spezialfall Seilbrücke aka „Sliding-D“ (ursprünglich aus der Baumpflege, immer häufiger auch an Industriegurten zu finden: eine bewegliche zentrale Aufhängung, die trotz Sicherung eine Rotation in der Hüfte zulässt) Hier stößt die These, dass die Redundanz am Gurt aufhört, an Ihre Grenzen. Diese basiert auf der Annahme von Anschlagösen aus Metall, welche nicht geöffnet werden. Es gibt immer mehr Herstellende, die Gurte mit zwei Seilbrücken anbieten.

Anmerkung:

Der Zug an einer oder zwei Seilbrücken mit einem Karabiner erzeugt hohen Druck auf den Beckenknochen. DMM arbeitet an einem Produkt, um dies zu ändern. Alternativ kann auch eine Doppelrolle diesen Zweck erfüllen.

  • Sternal (Auffangöse für Fallarrestsysteme oder Fall-Arrest-Systeme – also Bandfalldämpfer an Rohrhaken-Verbindern oder mitlaufenden Sicherungsgeräten, etc.. in diesem Fall vor der Brust. Im Notfall auch vom Verunglückten noch zu erreichen – Selbstrettung möglich)
  • Dorsal (Auffangöse wie oben nur auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern – gut bei Arbeiten mit Durchtrennungsgefahr, im Notfall vom Verunglückten nicht mehr wirklich zu erreichen – Selbstrettung schwierig, für Rückhaltesysteme aber unabdingbar)
  • Lateral (seitliche Ösen zur Positionierung, gibt es in zwei möglichen Höhen: Seitlich am Hüftgurt (hohe Stabilität, starke Bewegungseinschränkung) oder seitlich an der Seilbrücke (nur an Gurten mit dem oben erwähnten Sliding-D aus der Baumpflege) zwischen Beinschlaufe und Hüftgurt (Stabilität fordert etwas mehr Bauchmuskeln, dafür bleibt aber mehr Bewegungsfreiheit im Stand) Beide Positionen haben ihre Berechtigung!

Kompatibilität:

Brustgurte können Pflicht (wenn Auffangsysteme genutzt werden müssen) oder hilfreiche Ergänzung (um Gewicht von der Hüfte und dem unteren Rücken besser zu verteilen) sein. Je nach dem solltest Du natürlich prüfen, ob dein Brustgurt zum Gurt passt (werden nötige Vorschiften und Normen noch erfüllt? Funktionieren die Komponenten miteinander).

Darüber hinaus kann es bedeutend sein ob dein Gurt an sich mit anderen, genutzten Komponenten gut funktioniert! Beispiel: Redundante Sicherung einer Person in einer Rettungstrage:

Schwerpunkt:

Der eigene Körperschwerpunkt, bzw. die Körperspannung und wie gut diese von einem Gurt unterstützt wird unterscheidet sich von Person zu Person massiv. Auch hier ist das Testen des Gurtes unter den verschiedenen Techniken äußerst zu empfehlen. Wenn die Bauchmuskeln für ein gutes Hängen sorgen, müssen Ihre Gegenüber entsprechend trainiert werden, um Fehlhaltungen zu vermeiden.

Materialtransport

Gibt es Möglichkeiten Taschen und Materialkarabiner gut am Gurt zu platzieren (Mir persönlich sind solche Materialträger mindestens genauso wichtig wie die Materialschlaufen)

Materialschlaufen:

Wie viel Gewicht halten die Schlaufen, wie groß sind sie, wie gut kannst Du sie erreichen und wie viele davon brauchst?

Viele Materialschlafen halten nur um die 5-20kg.

Ab einem bestimmten Zusatzgewicht ist es also sinnvoll, das mitgeführte Zusatzmaterial vom Gurt zu organisieren.

Dies kann über eine Weste oder „Chest-Rig“, die Befestigung des Materials am Sitzbrett oder, bei Lasten >30kg, ein externes Lastseil geschehen.

Schnallentypen:

Wie die Schnallen öffnen, wie leicht sie verschmutzen und wie sie schnell zu verschließen sind, können einen Kauf beeinflussen. Ich bevorzuge robuste Gehäuse und Steckverbindungen (zum Beispiel Cobra-Schnallen) gegenüber Schnallen mit Verkleidungen aus Plastik und Kipp- / Hebel- / Einhak-Verschlüssen.

Lebensdauer

Ablegereife:

Je nach Hersteller*in werden unterschiedliche Ablegereifen auf Grund des Alters angegeben. Diese reichen von nur fünf Jahren nach Herstellungsdatum über zehn Jahre nach Herstellungsdatum bis unendlich gewerblich nutzbar.

Das ist erst mal eine theoretische Größe, da der Zustand des Gurtes oft deutlich schneller seine Grenzen erreicht und dies am Ende entscheidend sein sollte. Diese Zeitspannen dürfen nicht überschritten werden. Daher lohnt es sich VORHER die Handbücher und Gebrauchsanweisungen der Hersteller*innen zu lesen und sich zu überlegen, wie häufig eine Neuanschaffung nötig sein wird!

Verschleiß:

Die Einschätzung, ob ein Gurt schneller oder langsamer verschleißt, ist nicht einfach (Alu verschleißt viel schneller als Stahl. Einer der häufigsten Aussondergründe im industriellen Einsatz eines Gurtes ist die Abnutzung der Zentralöse durch die Sitzbrettkarabiner. Es hängt stark davon ab, wie schädlich Dein Arbeitsumfeld für die Materialien des Gurtes ist:

  • Offshore: Salzwasser
  • Industrie, Säuren / Laugen, Stäube, etc.
  • Kraftwerke: Abgase, Salze
  • Baumpflege: Harze, Allergene (Eichen Prozessionsspinner)
  • Rettung: Blut
  • Überall: trennende und schleifende Maschinen

Es ist auch entscheidend, wie sorgsam Du mit Deinem Material umgehst. Doch gibt es auch Gurte, die durch ihre Konstruktion zu Verschleiß neigen. Bestimmte Stellen an Gurten stechen hervor, an denen Abrieb verstärkt das Gurtband beeinträchtigt. Daher kann es sehr interessant sein, ob für einen Gurt Ersatzteile angeboten werden und einzelne Verschleißteile austauschbar sind.

Farbe:

Das Auge möchte auch geschmeichelt werden, klar und es gibt praktische Gründe für die Farbwahl. Kletternde in der Veranstaltungsbranche haben die Unsichtbarkeit bei einer Veranstaltung im Fokus, während andere mit schwarzer Hardware auf schwarzem Gurtzeug im Dämmerlicht oder mit wenig Kontrast im Baum verzweifeln.

Markierung:

Einige Gurte bieten Markierungs- / Identifizierungsflächen, da die großzügige Beschriftung mit Filzstifte zur sofortigen Ablegereife führen kann. Alternativ können Klettbänder oder an den Ösen befestigte Plaketten genutzt werden.

Sitzbretter:

Je nach Anwendung sind diese vorgeschrieben oder einfach nur bequem. Je nachdem, ob dies von der herstellenden Seite eingeplant wurde, kann das eine ziemliche Bastelei oder genauso entspannt, wie das darauf folgende Hängen, werden.

Bruststeigklemme:

Ein altbewährtes Werkzeug für ermüdungsfreiere Aufstiege am Seil. Auch hier reicht die Bandbreite von irgendwie an den Gurt bekommen (und diesen evtl. beschädigen) bis zu extrem professionellen, einfachen Lösungen. Die Einbauhöhe /-position am Gurt kann über den Wert der Ermüdungsfreiheit entscheiden (siehe Schwerpunkt).

Anmerkung: Heute gibt es auch viele andere bequeme und sogar effizientere Aufstiegsvarianten, die eine Bruststeigklemme obsolet machen.

Einkaufen

Bezugsmöglichkeiten:

Wo bekomme ich den Gurt zu einem fairen Preis, kann diesen und andere vergleichen, bzw. idealerweise sogar testen.

Preis-Leistungsverhältnis:

Steht der Preis in einem angemessenen Verhältnis zu den gewählten Anforderungen?

Das lässt sich nur schwer darstellen, denn neben allen zusammen getragenen Fakten spielen auch Vorstellungen und Gefühle eine Rolle. Was lohnt sich für mich, wie viel Zeit verbringe ich wirklich darin? Teste ich gerade einen Job und habe nicht viel Startkapital?

Ich empfehle die Balance zwischen Fakten und Gefühl als Antwort.

Lieblingsgurt gefunden, und nun?

Gleich zwei kaufen oder warten, bis der Hersteller die Einstellung der Produktion bekannt gibt und dann schnell sein. Leider ist nicht jede Änderung ein Fortschritt…

Spaß beiseite: pflegt Eure Gurte!

Dazu gehört:

  • Nur trockenes Textilmaterial in geschlossenen Behältnissen zu verpacken
  • Schutzkleidung über dem Gurt tragen
  • Schnittschutz (sägen, trennen, schleifen)
  • Thermoschutz (schweißen)
  • Nach Herstellenden-Angaben waschen
  • Das Typenschild zusätzlich schützen (ist dieses weg oder unleserlich, darf der Gurt nicht weiter genutzt werden).

Ich hoffe sehr der Beitrag hilft Euch bei der Auswahl…

Lieben Gruss

euer Muck

What’s your hook?

The decision for a certain product is always an individual process that I neither can nor want to relieve you of. I don’t want to advertise either, because I do not get any money for that. This article should provide a little more information so that you can better decide which throwing hook is the best choice for you. So you may only have to spend money once and hopefully save yourself unnecessary frustration.

Originally I wanted to pit the hooks against each other and see who „wins“. But I quickly realized that this plan would not work out in a good way. All of the hooks do their job quite well, only partially in a very special manner. Sometimes that’s good and sometimes crap – they all have something good and at least one “catch”. Finally there is a pool of people for each one who are happy with it – or not at all.

The devil is in the details and the longer I climbed a hook, the better I found it – precisely because of its special features. But what bothered me about a hook, it made up for with other quirks. Certainly there is one that I do carry along with me most often in everyday life, but if I had to commit myself, I can’t say whether it would be this one … You realize it’s complicated :P.

So I just decided to profile* all available hooks and work out the differences:

*all prices are researched at german resellers.

It would simply be unfair to create a ranking here. There is a lot of love for detail in all of them and in the end it may just be a question of which style you like best. You will surely find a hook that suits you.

Don’t get attached to it as much as I do 😛

See you soon in and under the trees!

Muck

An welchem Haken hängst Du?

Die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt ist immer ein individueller Prozess, den ich Dir weder abnehmen kann noch will. Ich mache auch keine Werbung, denn ich bekomme hierfür kein Geld. Doch soll dieser Beitrag ein paar mehr Informationen liefern, damit Du besser entscheiden kannst, welcher Wurfhaken zu Dir passt. So musst Du im Idealfall nur einmal Geld ausgeben und ersparst Dir unnötigen Frust.

Einige Grundlagen zum Thema findest Du auch in meinem Artikel im aktuellen Kletterblatt (Link dazu im Blogeintrag „Ich glaube es hakt“)

Ursprünglich wollte ich die Haken gegeneinander antreten lassen und sehen welcher „gewinnt“. Doch mir wurde schnell klar, dass dieser Plan nicht aufgeht. Alle Haken machen ihren Job recht gut, nur teilweise sehr speziell. Das ist manchmal gut und manchmal Mist – Etwas Gutes und mindestens einen „Haken“ haben sie nämlich alle und am Ende gibt es für jedes Exemplar einen Pool an Menschen, die damit glücklich sind – oder eben so überhaupt nicht.

Der Teufel liegt im Detail und je länger ich einen Haken kletterte, desto toller fand ich ihn – gerade wegen seiner Besonderheiten. Was mich an einem Haken störte, machte er durch andere Eigenarten wett. Sicher gibt es einen, den ich im Alltag am Häufigsten bei mir habe, aber wenn ich mich festlegen müsste, kann ich nicht sagen, ob es dieser wäre… Du merkst es ist kompliziert :P.

Also beschloss ich einfach alle mir verfügbaren Haken zu profilieren und die Unterschiede herauszuarbeiten:

Es wäre aus meiner Sicht schlicht unfair hier eine Rangliste zu erstellen. In allen steckt viel Liebe zum Detail und am Ende bleibt es vielleicht auch einfach eine Stilfrage welcher Dir am besten gefällt.

Sicher wirst Du einen Haken finden, der zu Dir passt. Häng Dich mit Freude daran und nicht so sehr daran auf wie ich 😛

Bis bald in und unter den Bäumen!

Muck

Throwing hook application in tree climbing

ARE YOU HOOKED??!!

Our learning process should be flexible and we should keep an open mind for new ideas and make new (own) experiences. We are all unique human beings: We need to explore by our self, what kind of technique offers a benefit to our climbing style or provides an advantage to ergonomics during our – quite special – working day.

No matter what kind of technique or new invention we get in touch with: Everything has its ups and downs. There is no such thing as a “universal top notch” in treeclimbing. I will always promote to keep up awareness that each one of us has a unique climbing style with specific needs. No technique suits to everybody. It is important to listen to others experiences and learn from them, but we should never accept the opinions of others without questioning.

Throwing hooks are highly debated objects. In the beginning I was a little distanced to these tools by these discussions or the bragging promotions about hooks. And since I like a less polarizing but more grounded conversation I tied to collect reasonable info about throwing hooks to give you a moderate overview and a solid theoretical base to gain your own experiences. Feel welcome to discuss and question this with your friends and colleagues – and with me – if you like 🙂 !

If you are already a happy hook-user or if you are still unsure about the utility of a hook: I want to talk about a few advantages and disadvantages, different applications and some ideas for your personal risk-assessment.

First of all:

What is a throwing hook actually good for?
> Different applications

The combination of a hook and a rope with sufficient load-bearing capacity is a powerful tool. A well-placed throwing hook can provide many functions in rope climbing. In addition, it also acts as an extended arm or even as a replacement for a pole saw. It is an enormous extension of the „tool-box“ in everyday climbing and I can no longer imagine my work routine without it:

Traverse:

Whether between two trunks or between trees, the climbing path between the two anchor points is often connected with double work: entering two times from the ground or long climbing stretches and strenious alternating ascents With a throwing hook, a rope can be brought into the target tree / trunk and reached directly, for example using methods from the single rope technique (SRT)

The third hand:

In the outer branch area everything is often wobbly or the way out is very difficult due to the lack of support and / or a flat rope angle. A throwing hook, thrown into a parallel, slightly higher branch or into the outer branch area, could provide additional support for difficult climbing movements. The hook can also be used on one end of the lanyard.

The additional system:

During installation or during the work process, throwing hooks connected to a long, independent rope can be placed in the tree waiting there for its use. Whether as a planned transition or additional positioning: They are a valuable addition to complex route planning in the tree.

For the sake of completeness, I would like to mention the rear traverse:

All climbing techniques in one direction also work backwards, i.e. away from the hook. Here, removing the hook from a distance is often a tricky exercise that not everyone likes to incorporate into their flow. But it works.

The pole saw replacement:

Many dead branches that we have to remove are easy to be broken away. If they are out of reach and can only be reached with considerable effort, the pole saw is often a practical solution. In their place I always try to remove such branches with the hook first. Most of the time it works well and saves me both time and a lot of struggling with the pole.

The SRT “deviation extension” aka pull-back variant:

If you climb SRT, the hook unfolds another ability for you: The extension of natural deviations from below or even from the ground. Regardless of whether the deviation should be removed while climbing or just because it causes too much friction while removing the rope so the process is stopped:

Use a throw line or rope to throw the hook over the horizontal rope section (between anchor point and deviation) and pull the hook down in a bay. Then pull the end of the rope until the rope is hanging straight down. This technique can save a lot of climbing work!

The throwing weight:

While throwing ropes or lanyards, there is often a little weight missing. A hook can be attached to anything in order to throw more precisely or to guarantee that the rope slips down through the fork.

There are certainly a lot more possibilities this device is good for. Getting seven options with one device alone are seven good reasons to keep a hook on your harness almost always.

And what’s the catch?
> Application hazards

As always in life and especially in treework: we should always do a risk assessment. “Is it save to do what I’m doing?” Is a question that we cannot ask ourselves often enough. The throwing hook has a few pitfalls when it is transported and used (both as a throwing weight and as an auxiliary anchor point), which we must always be aware of. If we keep this in mind it can safely develop its potential.

In general: a hook is never the only belay point in the tree! If the rope angle of the climbing system becomes too flat due to climbing on the hook, a full backup has to be created with the lanyard. A hook therefore only serves as a support system to improve safety and ergonomics. Similar to the selection of anchor points for installation in the tree, we must never act too risky about that!

Transport on the belt:

If worn incorrectly on the belt, a hook tends to be catchy. Logically, because this is what it has been designed for and that is its favorite task! But this can lead to bad stumbling or even falling. Therefore, always hang the hook upside down to the harness, close the hook opening (if possible) or pack it in a separate bag for transport.

A hook weighs a lot and a falling hook doesn’t always get stuck. Keep it save on the harness and not just in a snapper: it will go wrong at some point! Apart from that, a lost hook that has not been found is also really an expensive loss (believe me, there are a few sad testimonials)!

Concerning throwing:

Take care of your body! A retracted hook can cause blue eyes, lacerations and holes in the pretty row of teeth, among other things. You know that from the carabiner at your lanyard. And a visor doesn’t protect your shoulders. Pay attention and no jerky movements! Ensure more harmony.

Secure the end of the rope! A well thrown hook is not much help if you watch the end of the rope fly away with the hook. Surprise! I don’t have to say more about it.

Not every throw is a hit. A catch in the branches cannot be ruled out. Make it clear to yourself beforehand where you are aiming and whether you can reach the point in a different way to recover your hook. Therefore also practice „unhooking“ and „turning“ the hook (by twirling the rope) in order to be able to control the hook well from a distance.

The crucial question:

Use on the independent rope or at the end of the climbing system / at the lanyard?

 If you use the hook with an extra rope, you drag additional weight and possibly create more rope chaos in the tree. For this you always remain independent. The use of the hook on the end of the rope of your system or on the free end of the lanyard is quickly at hand and does not require any additional material, but a locked hook to an unsafe point can quickly turn down your day and lead to the inability to move! Make sure that self-rescue is always possible.

As an anchor point:

If you set a new anchor with a hook, you have to be sure that the selected tree / trunk is stable and unbreakable. Such controls are quickly forgotten up in the tree. Without this check, any climbing action will be life-threatening!

The same applies to the selected branch fork. This should also ensure a stable, comprehensive seat of the hook (not too big and not too small). You shouldn’t force it into place either, in case you have to break free of it. If a hook does not sit properly, throw it again! Slipping out, breaking out or jumping off must be excluded under all circumstances!

The control of the hook position is also essential during the movement! Changed rope angles mean that hooks can move and slip out of stable positions! But that is predictable and can be avoided in good time. Always keep an eye on a loaded hook!

„Regular hooking“ vs. „choke“ and „inverse hook“: Additional security can also be achieved by choking (fully enclosing installation) or by inverse hooking* (see picture for explanation). Especially when stepping over in conifers (e.g. when harvesting cones), the inverse hook is often the only way to ensure a safe installation, as this prevents the hook from slipping on the slightly downward hanging side branches.

* Safety allert about the inverse hook: If you unload an inverted hooked climbing line, the hook might slip down due to its own waight and „unhook“! There has been at least one bad accident because of this. Take care!

This summary for sure is incomplete. Make your own risk assessment and be prepared for other hazards not listed above!

What are the differences of available products?
> The test report is coming!

The range of throwing hooks has increased quite surprisingly in recent years. In addition to the yellow steel classic, which has disappeared from the catalogs, and the much more sophisticated version by Ronnie Epple, Tim Schröder has implemented a new idea with the Approach. ThompsonTreetools went a totally different way with the Bennett Hook. And when DMM brought Captain Hook (with the wonderful pun on words from Peter Pan) onto the market, four options specially developed for treeclimbing were available. There was still no end in sight and Christian Wolf brought two exciting variations into the game: the claw finger, a spliced hook without a bulky connection directly on the long rope or as a short version.

All currently (on arborist supply shops) available Hooks are great tools and support with a pretty good performance. To be more precise about “how good” I will publish a test report soon. Just in time for Christmas shopping I am looking forward to close my test series and give you some more info to this really interesting topic here on my Blog.

Stay safe and sound

and

see you in the trees !

Yours

Muck

Wurfhaken in der Seiltechnik

Mein neuer Artikel zum Thema Wurfhaken „Techniken und Risiko“ ist seit einigen Tagen in der Öffenltichkeit. Ihr könnt ihn in der aktuellen Ausgabe des Kletterblatts (Ausgabe 2021) auf Seite 24 finden oder im Onlinearchiv des Kletterblatts unter folgendem Link:

Ich werde den Artikel hier nicht erneut auf Deutsch einfügen, da sich ein Blick ins Kletterblatt einfach lohnt und dort alles steht. Ich möchte an dieser Stelle nur ankündigen, dass der Artikel bis zum kommenden Wochenende auf Englisch hier erscheinen wird. Falls ihr den Artikel gut findet, könnt ihr ihn dann auch gern mit Menschen teilen, die kein Deutsch lesen können.

Der Testbericht folgt dann in der Vorweihnachtszeit.

Lieben Gruß

euer
Muck

Bisherige Veröffentlichungen zum Thema Flaschenzüge

Seit vielen Jahren sind Thomas Wahls (T23-Veranstaltungsdienste) und ich dabei, gemeinsam das – für viele beängstigende – Thema Flaschenzüge anschaulicher zu erklären. Immer wieder sind wir auf Missverständnisse, Widersprüche in Erklärungsansätzen und, damit verbunden, auf viel Verwirrung gestoßen.

Das hat uns beide so sehr beschäftigt, dass wir uns immer mehr und immer beharrlicher mit der Thematik auseinandersetzten. Dabei sind bislang zwei Artikel für das Kletterblatt der Münchner Baumkletterschule  (ein Artikel davon in Zusammenarbeit mit Dirk Lingens / Autor von „Baumkletterknoten“) und ein etwa 200 Seiten starkes Buch entstanden.

Der erste Artikel von uns wurde 2013 unter dem Titel „Swiss Rig – Modulare und kombinierte Flaschenzüge“ im Kletterblatt veröffentlicht. Er befasst sich mit den so genannten „Schweizer Flaschenzügen“, auch unter dem Namen „Express-Flaschenzüge“ bekannt. Darin stellen wir die beiden bekannten Varianten und deren Aufbau vor und vergleichen verschiedene Konstruktionsmöglichkeiten.

Den Artikel findet ihr im Archiv des Kletterblatts unter

Der zweite Artikel, welcher in Zusammenarbeit mit Dirk Lingens entstand, wurde dann im Kletterblatt 2015 unter dem Titel „Flaschenzüge: Raffiniert neu definiert“ veröffentlicht und unser erster Versuch einige Widersprüche in der Flaschenzug-Theorie aufzulösen. Dabei entwickelten wir ein paar Ideen und Definitionen, die Licht ins Dunkel rund um die Flaschenzüge und die Theorie dahinter bringen sollen. Wir stellten darin auch zum ersten Mal die Begriffe „aktive und passive Umlenkung“ vor, die in unseren Augen für weniger Chaos sorgen, als die veralteten Begriffe „Lose und Feste Rolle“.

Den Artikel findet ihr ebenso im Archiv des Kletterblatts unter

Es gab, trotz des vorher als sehr aufwühlend empfundenen Themas, kaum Reaktionen oder Feedback auf diesen Artikel. Um so schöner war es als das Schweigen, welches lange Jahre herrschte, von einzelnen, dafür sehr guten Rückmeldungen durchbrochen wurde: Zum Beispiel kam einer der Ausbilder der Höhenrettungsgruppe einer Berufsfeuerwehr nach meinem Vortrag auf dem SRHT Symposium 2018 auf mich zu. Er teilte mir mit, wie sehr dieser Artikel beim Verständnis des Themas geholfen habe und das die gewählten Begriffe in ihrer Einheit nun Standard seien. Auch erlebe ich immer wieder bei Vorträgen und Workshop wie viele einen besseren Zugang zu dem Thema finden.

Daher war es ein Meilenstein für Thomas und unseres gemeinsamen Buchs „I like to move it – Flaschenzüge in der Seiltechnik“ zu veröffentlichen. Dies gelang uns, nach jahrelanger Arbeit daran, im Mai 2019. Das Buch enthält aus unserer Sicht noch lange nicht alles, was es zu diesem Thema zu sagen und zu schreiben gibt. Doch es bündelt auf etwa 200 Seiten mit einer Vielzahl an Abbildungen eine ganze Menge an theoretischem Grundwissen, neue Ansätze und viele Tipps für die Praxis. Ein Projekt, das mit einer Idee von „30-50 Seiten, als Ergänzung zu bestehenden Skripten…“ begann, war endlich am Ziel.

Unsere Ambition ist, viele Themen so anschaulich aufzubereiten, dass jede*r verstehen kann, wie Flaschenzüge funktionieren und dazu befähigt wird, sie in der Praxis einzusetzen.

Das Buch ist bisher nur als Print-Version (ISBN: 9783982061801) bei einzelnen Fach-Händlern erhältlich. Eine Liste der aktuellen Verkäufer (Stand 2020_08_17) findet ihr hier:

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

 Seitdem haben wir viele Fragen beantwortet, weitere Themen gesammelt, einen ergänzenden Text übersetzt (der noch veröffentlicht werden muss), planen die Veröffentlichung als PDF und die engliche Übersetzung. Das bedeutet viele neuen Projekte und deren Umsetzung warten auf uns. Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft bringt.

Euer Muck

WARUM NOCH EIN BLOG

Die Seiltechnik ist ein riesig großes Feld. Sowohl im Baum, als auch in der Höhle, im industriellen Bereich oder der Höhen-/Rettung stellt sie uns immer wieder vor die unterschiedlichsten Herausforderungen.

Fragen aus den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie, Ökologie und Geographie), der Arbeitswelt (Arbeitsschutz, Maschinenbau), der Gesundheit (Notfallmedizin und Ergonomie), sogar aus der Sozialwissenschaft und vielem, vielem Mehr beschäftigen uns. Je nach Diosziplin verschieben sich die Schwerpunkte, doch alle die Seilzugang anweden haben eins gemein: interdisziplinäres Arbeiten.

Verschiedenste Anwendungsgebiete und die unterschiedlichsten Disziplinen kommen hier auf eine wundervolle, fordernde Weise zusammen und bieten mir in meinem Alltag eine gerade zu süchtig machende Fülle an Lern-, Test- und Entwicklungsmöglichkeiten.

So stoße ich immer wieder während der Arbeit und beim Basteln mit Freund*innen und Kolleg*innen auf die interessantesten Fragen, überraschend simple Lösungen oder spannende neue Ideen. Vieles habe ich in den letzten Jahren dokumentiert und aufgearbeitet. Dabei ist mit meinem Freund und Kollegen, Thomas Wahls, sogar ein ganzes Buch zum Thema „Flaschenzüge am Seil“ entstanden („I like to move it!“ / ISBN 978-3-9820618-0-1. 

Doch viele weitere Dokumente und Graphiken schlummern noch in der Schublade oder sind in der Informationsflut im Netz (auf Instagram oder Facebook) längst untergegangen. Darum bemerke ich oft, dass mir bei gezielten Fragen die Möglichkeit fehlt, schnell auf bestimmte Artikel oder Veröffentlichungen hinzuweisen.

Diese Seite ist nun mein Lösungsansatz, um vorhandenes Wissen und alte Artikel, nicht mehr nur, auf meinem Rechner zu bündeln und – soweit mir keine Urheberrechte dazwischen kommen – für euch zugänglich zu machen.

Der Blog wird vorerst im Wesentlichen auf Deutsch bleiben, doch einige Artikel werden auch auf Englisch erscheinen.

Auf einen Austausch über die Inhalte, konstruktives, ehrliches Feedback und Ergänzungen von Eurer Seite freue ich mich jetzt schon.

Euer Muck

(K)not Knews #01 Der Pumuckl in der SRT (DE)

Orginal veröffentlicht als PDF 2019_03_04

oder: …Hurra, hurra, der Pumuckl* is da…

Eine kurze Studie zu einem Inseil-Anker-Knoten / Y – Verbinder,
basierend auf einem doppelten Schotstek in Kombination mit einer Yosemite Sicherung (eng.: Yosemite Tie Off: Y-T-O).

kurz erwähnt im Knotenbuch von Dirk Lingens unter 6.3.5 (6.Auflage, 2017)<<

Es galt einen Knoten mit einer geringen Einbauhöhe zu finden, der dazu taugt ein Seilende mit einer Seilmitte (Y-Verbindung) zu verbinden. Alle Seilstränge sollen in alle Belastungsrichtungen sicher bekletterbar sein und das eingeknotete Kletterseil (in allen Abbildungen: LILA) soll den gleichen oder einen größeren Durchmesser als das Aufstiegsseil (in allen Abbildungen: ORANGE) haben können. In der Annahme, dass ein Aufstiegsseil in der Regel dünner oder gleich stark ist als ein SRT (von Stationary Rope Technique / Stehend Seil Technik) Arbeitsseil. Angeregt wurde das Projekt durch die Suche nach einer Möglichkeit, die beim Y-System in der SRT (Siehe Abbildung A) üblichen Ringe oder Riggingplatten am Verbindungspunkt der Seile einzusparen, um weniger Bauteile im System zu binden und Einbauhöhen zu verringern. Der Knoten, der das beste Ergebnis lieferte ist nicht neu, hat aber in dieser Konfiguration nie besondere Aufmerksamkeit erhalten. Auch als Y-Verbinder in Kräftedreiecken (Danke für die Idee an Thomas) liefert der Knoten interessante, Seil sparende und schnelle Optionen:

Abbildung A: Einsatzszenario und Knotenbild
Eine typische Anwendung des Y-Systems in der SRT. Das Kletterseil (LILA) wird zum Arbeitsgang genutzt, wobei das Aufsteigseil (ORANGE) ungenutzt bleibt und als Rettungsseil fungieren kann. Diese Anwendung birgt Gefahren und bedarf genauer Planung oder weiterer Sicherungsmaßnahmen (zum Beipiel einen Kronenanker)! und wird daher nur ausgebildeten und erfahrenen Anwender*innen empfohlen.

* Thomas und ich haben ausführlich recherchiert und nirgends eine genaue Beschreibung des Knotens in dieser Form gefunden (außer der oben erwähnten Randbemerkung in Dirks Buch). Doch dieser Knoten hat so ein enormes Potential, dass er in meinen Augen einen eigenen Namen verdiehnt. Da ich ihn seit einiger Zeit sehr intensiv nutze begann ich ihn Pumuckl zu nennen: Die Fantasie-Figur des Pumuckl (Figur aus einem Hörspiel für Kinder von Ellis Kraut) kann sich unsichtbar machen und zeigt sich nur wenigen, obwohl er doch meist da ist. Das passt recht gut, da dieser Knoten ja keine Neuerfindung ist und eigentlich schon immer da war. Wir haben ihn aber einfach nicht wahrgenommen. Nun hat er sich offenbart und der Schabernack kann los gehen. Viel Spass (natürlich auf eigene Gefahr und nur für geschulte Anwenderinnen) mit dem „Pumuckl“…
…Ihr könnt ihn natürlich auch gern weiterhin „Doppelten Schotstek mit Y-T-O“ nennen

Abbildung B: Anleitung
Mit dem Aufstiegseil (ORANGE) wird ein doppeltes Auge gelegt (Teil 1 vom Schotstek) und mit dem Kletterseil (LILA) wird der Knoten ergänzt (Teil 2 Schotstek). Die Sicherung des Knotens wird am Schluss durch den Y-T-O erziehlt.

Die Kombination aus der Grundform des doppelten Schotstek und der Sicherung mit dem Y-T-O bietet einige Vorteile, die den Knoten sehr sicher und effizient machen: Die Basis aus dem doppelten Schotstek erschwert durch das doppelte Auge ein gefährliches kaputtsortieren des Knotens (eine bekannte Problematik beim Palstek mit Y-T-O). Natürlich kann so gut wie jeder Knoten mit viel Motivation böse entstellt werden. Auch dieser Knoten gehört zu denen, die in unschöne Formen gebracht werden können und ist daher eher etwas für Leute die gerne Knoten machen. Der Y-T-O gibt dem doppelten Schotstek die nötige Bekneiffung, damit dieser in allen Belastungsrichtungen stabil bleibt. Dennoch ist er schnell gesteckt aber auch nach Belastung wieder zu öffnen. Sauber geknotet ist dieser Knoten eine wundervolle Ergänzung für jedes Knotensortiment und ich kann mir vorstellen, dass Viele von Euch diese Variation zu schätzen wissen. Im Übrigen scheint das „Upgrade“ der doppelten Wicklung bei allen Palstek Varianten seine positive Wirkung zu entfalten…

Abbildung C:
Alternative Verwendung im
Kräftedreieck.

Abbildung D: Tests für den Pumuckl
Aufstiegseil: Teufelberger – Platinum Arbor Access (A)
Arbeitsseil: Teufelberger – Xstatic (X)
Test 1: Zugrichtung im Arbeitsgang (X-A):
18,11kN; 19,60kN; 19,35kN
Test 2: Zugrichtung im Aufstieg (A-A):
18,73kN; 18,53kN; 16,96kN
Test 3: Zugrichtung im Rettungsaufstieg (A-X):
17,48kN; 16,53kN; 17,43kN
Test 4: Zugrichtung im Arbeitsgang, gleiche Seildurchmesser
(A-A): 15,99kN, 17,85kN
(X-X): 20,45 kN
Ergebnis des Validierungstest auf die freie Seillänge A:
34,02 kN
(Übertraf die Herstellerangabe von 28 kN)
Ergebnis des Validierungstest auf die freie Seillänge X:
44,70 kN
(Übertraf die Herstellerangabe von 32 kN)
Die mittlere Bruchlastverringerung auf die Validierungstest
gerechnet:
47,7 %

An dieser Stelle möchte ich ein paar große „Dankeschön“ unbedingt loswerden:
Das Erste geht an Thomas Wahls, für die auch in diesem Fall (wie immer) große Unterstützung bei der Recherche und dem Lektorat, eines geht an Dirk Lingens und eines an Axel Manz für sehr hilfreiche Anmerkungen, eines an Mark Bridge für die freundliche Vermittlung an Teufelberger und eines an die Kletterschule Arbor Faktur, für die tolle Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Ein besonderes geht an die Firma Teufelberger und meine „Betreuer*innen“: Angela, Dominik und Lukas. Ohne die Tests im Prüflabor und die dafür zur Verfügung gestellten Ressourcen (Leidenschaft, Seile, Prüfbett, Arbeitszeit, … ) wäre diese Ausarbeitung in dieser Form nicht möglich gewesen.

Bleibt gesund und bis bald
Euer Muck

Eine kleine Geschichte zu dem großen Mythos „AKIMBO“

(Erstveröffentlichung im Climbtools-Blog 02_2020)

Der Hype in der Szene – vor allem durch die Sozialen Medien angekurbelt – ließ die Erwartungen an die Performance des kleinen Alleskönners übernatürliche Ausmaße annehmen.
Ein Gerät, das im Aufstieg flüssig mitläuft, im Handumdrehen vom Seil zu nehmen, dabei geschmeidig beim Abfahren ist und sogar elegante Sprünge zulässt.
Obendrein solle es auch noch hübsch aussehen, wenig Gewicht auf die Waage bringen und in der Bauhöhe kaum größer als ein Perfect-O Karabiner sein…

Nun, wer halbwegs aufmerksam liest, wird auch aus meinem Schreibstil eine gewisse Ironie herauslesen können. Diesen umschriebenen „heiligen Gral der Klettertechnik“ suchen nun seit Jahren viele grandiose Tüftler und einige sind ihm auch schon recht nahegekommen.
Die heutigen Geräte oder Gerätekombos (darunter fällt für mich hier auch der Ropewrench mit Klemmknoten) haben erstaunliche Eleganz und Leichtigkeit beim Klettern möglich gemacht – sogar für einen Tollpatsch wie mich. Doch JEDES Gerät, das ich auf dem Markt finden kann, hat seine Vor- und Nachteile und – ich denke, Ihr ahnt es schon – das Akimbo ist hier keine wundersame Ausnahme.

Was ist das Akimbo, und was kann es?

Mittlerweile werde ich öfter mal gefragt, was ich von dem Gerät halte. Dabei treffe ich nicht selten auch auf Enttäuschung oder Frustration mit dem Akimbo und ich denke, das ist durchaus verständlich. Die Erwartungen werden schlicht und einfach nicht gleich erfüllt…
Aber gehen wir die Sache einmal in Ruhe durch: Was ist das Akimbo, und was kann es? Ich versuche, meine Erlebnisse aus sechs Monaten intensivem Testklettern mit dem in Europa noch als “Wild-Tier” zu bezeichnenden Klettergerät mal grob zusammenzufassen:

Das Akimbo ist ein mechanisches Auf- und Abseilgerät, das um 2014 von Jaime Merritt entwickelt wurde und seit Herbst 2017 von einem namhaften Hersteller in Serie produziert wird.

Seit 2015 sind die ersten Prototypen und Videos von Jaime im Netz und sorgen – spätestens seit der Fundraising-Aktion für die erste Kleinserie – für reges Interesse.

Das Gerät ist sehr klein in der Bauform, seilmittig installierbar, dabei zu öffnen, ohne es vom Gurt trennen zu müssen, und vor allem sind alle Bauteile fest miteinander verbunden, so dass nichts verloren gehen kann. Darüber hinaus scheint es sich sehr geschmeidig damit zu klettern.

49 Einstellungs-Möglichkeiten und 100 Fragezeichen

Als ich im Frühjahr 2018 – nach gefühlt endlosem Warten – mein erstes Akimbo in den Händen hielt, war ich hellauf begeistert und konnte es kaum erwarten, mit den ungeschliffenen Diamanten in den Bäumen zu klettern. Und natürlich war auch ich enttäuscht. Denn nein, es ist kein Aufzug und es hat auch nicht mehr PS als ein ZigZag. Ganz im Gegenteil. Die ersten Kletterversuche damit waren ernüchternd.

49 Einstellungs-Möglichkeiten stellten mich vor gefühlt 100 Fragezeichen und ich bin gut zwei Wochen lang damit am Seil herumgestottert. Doch jedes Mal, wenn ich das Gerät aufmache (…dieses unglaublich schöne Design…) schlägt das Herz etwas schneller. Und so wollte ich einfach wissen, was mit dem Akimbo geht.

Ein paar Monate später konnte ich dann die ersten kleinen „Sprünge“ damit wagen, und in der kurzen Zeit, die ich im Masters auf der Ostdeutschen Klettermeisterschaft im Baum verbringen durfte, ist mir ja auch ein wirklich schwerer und weiter Transfer mit dem Akimbo gelungen. Es geht also schon. Doch sicher NICHT EINFACH. Denn – tada! – auch wenn mal eine gute Einstellung gefunden ist, bleibt sie nicht so und es kann von einem auf den anderen Tag auch mal wieder ziemlich ruppig werden. Ein Akimbo ist und bleibt ein launisches Tier!

Nach nun sechs Monaten mit zwei dieser kleinen Gesellen kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass dieses Gerät nicht für ungeduldige Gemüter und eher nicht für Anfänger*innen gemacht wurde. Wer – wie schon beim Klemmknoten-Klettern – Lust auf nicht endendes „fine tuning“ hat, findet mit dem Akimbo einen großartigen Alleskönner am Gurt, der aber eben ein wenig Zuneigung braucht.
Wer also einfach nur geschmeidig klettern will – ohne sich groß um Einstellungen und Materialfragen zu kümmern – sollte am Einfachseil dann vielleicht doch beispielsweise beim ZigZag in Kombination mit dem Chicane bleiben.

Wo liegen die Tücken?

1. Um ein Akimbo entspannt auf- oder von einem Seil abzunehmen, muss das Seil locker gespannt sein. Schon fünf bis zehn Meter Seilgewicht machen das Einlegen zu einem Handgriff, der etwas Übung bedarf. Machbar, aber nicht mehr unbedingt selbsterklärend, denn allein das Gerät zu öffnen, bleibt für manches baumkletternde Wesen ein Mythos. Gerade auch bei älteren Modellen können die Gerätekörper verkanten und dann fühlt es sich so an, als ob kein Öffnen möglich sei.

2. Um das Akimbo einzustellen, muss das Gerät vollständig geöffnet und die Arretier-Bolzen beiseite geschoben werden. Nun können die beiden Bremsbacken herausgedrückt und gedreht werden. Die Markierungen sind – gerade durch das nicht immer klinisch reine Arbeitsumfeld – leider nicht sonderlich gut zu erkennen, was den Einstellprozess etwas nervig gestalten kann. Nichts, was Du nicht in den Griff bekommen kannst, aber ein Punkt mehr auf dieser Liste.

3. Ungeklärte Einstellungsfrage: Zu wenig Reibung und das Gerät wird richtig bissig und entsprechend fahrig oder schnell und für manche auch angsteinflößend. Nur ein wenig zu viel Reibung und das Akimbo wird zu einer Seilklemme, die nur noch in eine Richtung am Seil rutscht. Oder gar nicht mehr. Die richtige Einstellung zu finden, ist kein leichtes Unterfangen. Ich selbst klettere mit schwankenden 75-80 Kilo eine D-4 auf Squir (Courant) oder X-Static (Teufelberger) für reines SRT, C-4 auf Atrax (Cousin) nach Umstieg von DRT auf SRT. Je nach meiner eigenen Stimmung muss da mal ein Stück vor- oder zurückgedreht werden, und dann geht mal ein Sprung mehr oder eben lieber keiner.

4. Kommst Du mit einem Ast auf den oberen Gerätekörper, kann sich das Gerät zu einem spontanen Satz angeregt fühlen (das kennt Mensch ja auch von anderen Geräten…). Kann für Überraschungen sorgen…

5. Keine austauschbaren Teile. Das bedeutet eine kostenintensive Neuanschaffung, wenn auch die reibungsintensivste Einstellung nicht mehr hält. (Wie lange das dauert, konnte ich aber noch nicht herausfinden).

Fazit

Ich habe mich schon sehr an die Präsenz dieses Gerätes gewöhnt und ich schätze die Vielseitigkeit trotz der kleinen Tücken. Es ist als SRT-Klettergerät, als Hansesicherung, im Aufstieg, bei Überstieg auf dem Wurfhakenseil, für Rücktraversen, „Dragontail“-Umstiege und sogar auf dem Doppelseil kletterbar. Und da sie so klein und leicht sind, bleiben meine beiden so gut wie immer am Gurt.

So erklärt sich für mich auch der Hype im Netz. Wer es mag, will einfach nicht mehr ohne dieses Gerät im Baum arbeiten. Ich fühle mich schon unvollständig, wenn ich eines ausleihe und selbst nur noch ein einzelnes übrig habe. Aber sicher ist das Gerät – wie alle anderen auch – nur für diejenigen ein Diamant, die wissen, wie man ihn (ein)schleift.

Die lustigen T-Shirts gibts hier:

https://baumkosmos.teemill.com/